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Painkiller Mag #5
March 2002

Interview
with Terry Butler
Andreas Stappert
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Großartig vorzustellen braucht man Six Feet Under eigentlich nicht mehr. Es gibt mit Sicherheit keinen wahren Death Metal-Fan, der das Quartett aus dem US-Bundesstaat Florida nicht kennt. Hervorgegangen aus einem ohne größere Ambitionen gestarteten Nebenprojekt, entwickelte sich die Truppe um den einstigen Cannibal Corpse-Frontgrunzer Chris Barnes innerhalb k&üuml;rzester Zeit zu einer der beliebtesten Truppen der Todesblei-Zunft. Kein Wunder also, dass eine Menge Leute der Veröffentlichung von "True Carnage", dem vierten regulären Studioalbum der Amis, deren Line-up seit 1998 neben Sänger Chris Barnes aus Gitarrist Steve Swanson, Bassist Terry Butler und Drummer Greg Gall besteht, mehr als sehns&üuml;chtig entgegen fieberten.
Painkiller-Mitarbeiter
Andreas Stappert unterhielt sich mit Gr&üuml;ndungsmitglied Terry Butler, der f&üuml;r
sich genommen schon Legende genug ist. Der Mann ist Death Metal-Historie pur,
war er doch an einigen der wichtigsten Genreveröffentlichungen beteiligt. Neben
den Six Feet Under-Werken seien hier vor allem das bahnbrechende Massacre-Deb&üuml;t
"From Beyond" und die beiden Death-Meilensteine "Leprosy"
und "Spiritual Healing" genannt. Wer diese Götterscheiben nicht kennt,
hat sein unw&üuml;rdiges Leben definitiv verwirkt und kann sich getrost erschießen.
Painkiller: Im Vorfeld der Albumveröffentlichung herrschte große Geheimniskrämerei. Die Vertreter der Fachpresse erhielten vorab nur eine CD mit lediglich drei von letztendlich elf auf "True Carnage" vertretenen Titeln, sowie dem Videoclip zum Song "The Day The Dead Walked". Die komplette CD wurde erst wenige Tage vor dem tatsächlichen Veröffentlichungstermin verschickt. Warum diese - zumindest im Death Metal-Bereich - doch sehr ungewöhnliche Verfahrensweise? Angst davor, dass irgendein "krimineller" Journalist die Platte schon vorher als MP3-Download ins Internet stellt?
Terry Butler: Genau das war die Bef&üuml;rchtung unserer Plattenfirma. Unsere Scheibe macht in dieser Hinsicht wohl nur den Anfang. In Zukunft werden sie wahrscheinlich des öfteren auf diese Weise verfahren. Sie hatten ganz einfach Angst, dass das Album bereits einen Monat vor dem Veröffentlichungstermin f&üuml;r jedermann zugänglich im Netz steht.
Painkiller: Wie denkst du generell &üuml;ber Musikdownloads aus dem Internet?
Terry Butler: Ich sitze da etwas zwischen den St&üuml;hlen. Als Fan hätte ich die Songs meiner Lieblingsbands nat&üuml;rlich auch gerne so fr&üuml;h wie möglich. Als Musiker liegt es aber naturgemäß in meinem Interesse, dass unsere Songs bis zum regulären Veröffentlichungstermin gesch&üuml;tzt bleiben.
Painkiller: Wie hältst du es selbst? Saugst du dir auch zuweilen MP3-Dateien aus dem Netz?
Terry Butler: Na ja, manchmal schon. Ha ha. Meistens irgendwelche Raritäten, die ich gerne hätte, aber offiziell nicht mehr bekommen kann. Vor allem Livemitschnitte. Ansonsten kann man auf diese Weise auch prima Sachen antesten, die man noch nicht kennt.
Painkiller: Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen "True Carnage" und euren fr&üuml;heren Veröffentlichungen? Was ist anders? Was ist neu?
Terry Butler: Die Musik an sich unterscheidet sich eigentlich kaum von der auf dem letzten regulären Studioalbum "Maximum Violence". Sie kommt allerdings deutlich heavier und d&üuml;sterer r&üuml;ber, was daran liegt, dass wir den Gitarrensound diesmal noch weiter runter gestimmt haben. Insgesamt haben wir unseren Sound variantenreicher gestaltet. Einerseits haben wir neue, modernere Rhythmen dabei. Andererseits gibt es auch einige brutal schnelle, sehr aggressive Nummern zu hören. Die Platte klingt insgesamt gemeiner und dreckiger.

Painkiller: ...und erinnert damit wieder deutlicher an die schiere Brutalität von eurer zweiten Platte "Warpath". Daran ändern weder die angesprochenen neuen Elemente noch die definitiv aus dem &üuml;blichen Death Metal-Rahmen fallenden Gastbeiträge von Karyn Crisis (Sängerin der Band Crisis) und Rap-Ikone Ice-T etwas Grundlegendes. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Letztgenanntem? War doch sicher nicht so einfach. Schließlich ist der Mann in den USA ein echter Superstar.
Terry Butler: Och, so schwer war das gar nicht. Unser Sänger Chris hat ihn schon vor längerer Zeit kennengelernt. Sie unterhielten sich damals &üuml;ber ihre Musik und bekundeten gegenseitig großen Respekt voreinander. Seither wollte Chris unbedingt, dass Ice-T als Gast auf einem Six Feet Under-Song zu hören ist. Wir haben ihn also kontaktiert, und er erklärte sich spontan bereit, dabei mitzumachen. Wir schickten ihm also ein Tape mit einem Song, wozu er dann einen eigenen Text verfasste. Einen sehr brutalen und gewalttätigen Text, der prima zu den Sachen passt, &üuml;ber die Chris ansonsten schreibt.
Painkiller: Wie war es, Ice-T kennenzulernen? Was f&üuml;r ein Mensch ist er?
Terry Butler: Ich habe ihn leider &üuml;berhaupt nicht getroffen. Er ist immer sehr beschäftigt und hat einen dicht gedrängten Terminplan. Von daher war er nicht bei uns im Studio in Miami, sondern Chris ist allein zu ihm nach New York geflogen, wo sein Beitrag dann aufgenommen wurde.
Painkiller: Was hältst du von der Musik, die Ice-T normalerweise macht?
Terry Butler: Mit Rap und Hip-Hop kann ich f&üuml;r gewöhnlich nicht so viel anfangen. Es gibt ein paar Songs, die ich mag. Zum Beispiel einige Sachen von Body Count. (Rap/Metal-Crossoverband von Ice-T - d.Verf.) Aber es ist nicht wirklich mein Ding.

Painkiller: Aber du findest schon, dass die Rap-Parts auf "One Bullet Left" zum Rest des Songs passen, oder?
Terry Butler: Auf jeden Fall. Seine Stimme passt sehr gut zum extrem heftigen musikalischen Fundament des St&üuml;cks. Abgesehen davon erinnern einige Texte und Gesangslinien von Chris auf älteren Songs ohnehin ein wenig an Strukturen aus dem Rap-Bereich.
Painkiller: Auf "True Carnage" enthalten ist auch der eingangs erwähnte Videoclip zu "The Day The Dead Walked". Wobei der mit einigen Splatterszenen gespickte, sich beim altbekannten Zombie-Genre bedienende Clip f&üuml;r den europäischen Markt wahrscheinlich leicht entschärft wird. Wie sieht es diesbez&üuml;glich in den Staaten aus. Gibt es dort Sender, bei denen der Clip laufen könnte?
Terry Butler: Wohl eher nicht. Von daher wird er eben zumindest auf der Erstauflage der CD zu finden sein, damit ihn unsere Fans zu sehen bekommen.
Painkiller: Was denkst du grundsätzlich &üuml;ber Zensur bei Musikvideos?
Terry Butler: Das ist eine echte Schweinerei. Ein Clip wie unserer ist wie ein richtiger Film aufgebaut, also eine Kunstform. Und es gibt weiß Gott eine Menge Filme, die wesentlich gewalttätiger sind als beispielsweise unser Clip. Die werden deswegen aber nicht gleich zensiert.
Painkiller: Auf eurem letzten Album "Graveyard Classics" habt ihr diverse Metal-, Hardrock- und Punk-Klassiker gecovert.
Terry Butler: Es hat verdammt viel Spaß gemacht, diese ganzen alten Klassiker neu aufzunehmen. Meine Lieblingssongs sind &üuml;brigens "Holocaust" von Savatage, "TNT" von AC/DC und Accepts "Son Of A Bitch".
Painkiller: Aber jetzt habt ihr vermutlich f&üuml;r die nächsten f&üuml;nf Jahre von Coversongs die Schnauze gestrichen voll, oder?
Terry Butler: Na ja, zumindest werden wir es in dieser Hinsicht in Zukunft etwas ruhiger angehen lassen. Ha ha.
Painkiller: Von der Zukunft zur&üuml;ck in die Vergangenheit. Als Six Feet Under 1995 begannen und ihr Deb&üuml;t "Haunted" veröffentlichten, war die Band eigentlich nicht mehr als ein Nebenprojekt bekannter Musiker. Chris Barnes war noch Sänger von Cannibal Corpse, und der damalige Gitarrist Allen West noch ein Teil von Obituary. Hättest du dir damals vorstellen können, dass Six Feet Under innerhalb weniger Jahre zu einer der größten Death Metal-Bands des gesamten Planeten aufsteigen w&üuml;rden?
Terry Butler: Nein, absolut nicht. Das Ganze war wirklich nur als Nebenprojekt geplant, und wir wollten allenfalls einige Gigs spielen, falls es der Terminplan der anderen Bands zulassen w&üuml;rde. Erst als Chris bei Cannibal Corpse rausgeflogen war, wurde es eine echte Band, da er sich nun hundertprozentig auf Six Feet Under konzentrieren konnte. Und als dann Allen ausstieg, brauchten wir uns zeitmäßig auch nicht mehr nach den Aktivitäten von Obituary zu richten.
Painkiller: Kommen wir zur letzten Frage. Falls die Welt untergehen sollte und du dich irgendwie gerade noch auf eine abgelegene Insel retten könntest: Welche drei Platten hättest du im Handgepäck?
Terry Butler: Oh, das wären dann wohl "Lights Out" von Ufo, "Melissa" von Mercyful Fate und "Ace Of Spades" von Motörhead.
Andreas Stappert
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