GRAVE
DIGGER
for Painkiller Mag
#8
July 2003
Interview with Chris “Uncle Reaper”
by Yang Yu/Dracolich
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Du bist bekanntlich der Uncle Reaper. Dieser Image ist erst seit der Anfang der 90’er (seit dem „Return...“-Demo) zu Eurem Markenzeichen geworden. Irritierenderweise sehe ich den Keyboarder HP Katzenburg immer im Gestalt des Sensemanns erscheinen, jedenfalls sieht man ihn kaum unkostümiert oder unmaskiert... Ist Reaper der Chef vom Grave Digger? (Frage im Doppelsinn :)
Eigentlich
bin ich der "Onkel Reaper". Ich glaube, der Spitzname
entstand auf der "Reaper" Tour 1993 mit Capricorn. Nur der
"Reaper" ist unser Maskottchen, wie Eddie bei Iron Maiden
und Du siehst Ihn bereits auf dem "Whitchhunter"Albumcover
als Oberarmtätowierung.
Mit "Tunes of War" kamen
wir auf die Idee, unser Maskottchen auch in die Live Shows einzubauen
und da unser Keyboarder H.P.auch nebenbei Theater spielt, war die
Rolle mit Ihm perfekt besetzt.
Koenntest Du den chinesischen Metal Fans mal erklaeren, was fuer ein Gestalt der Sensemann Reaper dasstellt, was er so macht und so. Was fuer ein Job hat der Grave Digger?
Der
"Reaper" ist der personifizierte TOD mit Sense und Eieruhr.
Diese steht für den Lauf der Lebenzeit und mit der Sense wird
diese durchtrennt. Und mit seiner schaurigen Gestalt ist er das
perfeke Symbol für eine Metal Band.
"Grave Digger"
heißt übersetzt Totengräber und ist die Person, die
die Toten unter die Erde bringt.
Hab gehört, Du rauchst und trinkst nicht mehr. Bewirkt dies zur Schonung Deiner Stimme?
Nicht
nur die Stimme wird geschont, meiner kompletten Gesundheit kommt dies
zu Gute.
Managest Du immer noch die Band BRAINSTORM? Was tust Du sonst noch so außer Musik, bist wohl sehr geschichtlich interessiert, nicht?
Nein,
ich manage Brainstorm nicht mehr. Ich habe eine eigene Promotion
Agentur namens "Flying Dolphin" und arbeite da 10-12 Sunden
am Tag.
Ich lese allgemein viel jedoch sind geschichtliche Dinge
am interessantesten
Als Bücher erscheinenden Biographien von Metal Bands gibt es ja nicht viel, wie kamt Ihr auf die Ideen so ein Buch zu schreiben? Ein purer Bandbio oder eher ein Buch für Fans? Anbei gibts auch eine CD mit alte Demos drauf, nicht?
Nach
fast 22 Jahren Grave Digger hatte ich einfach das Gefühl, mir
einiges von der Seele schreiben zu müsse. Das sich das Ganze
dann zu diesem Buch entwickelte, lag zu einem großen Teil auch
an meinem Freund Holger Koch, der mich vorbildlich unterstützte.
Man sieht und hört Euch gar nicht an, daß die Band schon mehr als 20 Jahre auf dem Bockel hat. Ihr seid stehts voller Energie geladen und steht für purer Heavy Metal schlechthin. Fühlt Ihr Euch jetzt erfolgreicher denn je? Was ist Eurer Geheimrezept stehts jung und frisch zu bleiben in so einer traditionellen und altmodischen Genre zu überleben?
Es
ist für alle von uns eine Ehre, Musik machen zu dürfen und
auch noch eine Menge Fans zu haben, die sich für uns und das was
wir komponieren, begeistern. Im Moment haben wir tatsächlich
unsere erfolgreichste Zeit.
Wenn man, wie wir, mit Spass und
Lockerheit an die Sache herangeht, kommt auch immer was Gutes dabei
heraus und man freut sich automatsch auf die nächsten
Ereignisse.
Mitte der 80’er wart Ihr mit HELLOWEEN und RUNNING WILD die absoluten Frontreiter des deutschen Metals. Gibt es Dinge, die Ihr unter damaligen Umständen nicht besser zu machen wußtet und Ihr heute zu koregieren sucht?
Nein.
Natürlich hätten wir den Fehler mit der "Digger"
Geschichte vermieden, aber alles was "Grave Digger betrifft
hätten wir gelassen wie es war.
Eure erste Blütezeit endete wohl mit dem Album „Digger“ (1986), wo Ihr (unterm Einfluß von einem gewissen Mick Jackson) sogar den Bandnamen auf nur DIGGER umtaufen wolltet. Über dieser Phase gabs nur wenig Berichte. Könnt Ihr uns genaues über die damalige Verhältnisse und Zustand erzählen?
Das
ist auch gut so, denn in dieser Zeit machten wir den größten
Fehler unserer Karriere. Wir wollten um jeden Preis Erfolg in Amerika
haben, änderten den Bandnamen und die Musikrichtung und fielen
fürchterlich auf die Nase. Niemand in Amerika interessierte sich
für eine deutsche Poserband namens "Digger". Aus
diesem Desaster resultierte dann der Bandsplit.
Was war der Hauptanstoß wieder anno 1993 mit voller Paukenschlag anzufangen? Was war das für ein Gefühl, dann Anfang der 90’er im Underground neu anfangen zu müssen?
Ganz
bei Null fingen wir zum Glück nicht an. In Deutschland war der
Heavy Metal Anfang der 90iger absolut tod aber wir glaubten an uns,
unser Comeback und die Treue der alten Fans und wurden belohnt.
Ihr habt in der Anfangszeit für eine Newcomer-Band recht viel Platten verkäuft. Vergleicht mal Eure Zustand in der 80’er und 90’er, was ist der größte Unterschied für Dich?
"Heavy
Metal Breakdown" und "Tunes of War" sind unsere
erfolgreichsten Alben und ich finde, solch einen großen
Unterschied, abgesehen vom besseren Sound von "Tunes...",
gibt es da gar nicht. Wir hatten auch Damals wie Heute viele Fans.
Natürlich sind alle heute ein wenig erwachsener, reifer
geworden.
Die Bands der 80’er hatten alle ihren unverkennbaren individuellen Sound. Aber die heutigen Bands der traditionelleren Metalgenre klingen mehr oder weniger alle gleich. Denkst Du die heutigen jungeren Musiker sind weniger innovative?
Das
ist prinzipiell richtig. Aber es ist heutzutage auch sehr schwer,
etwas "neues" zu kreieren bei der Unmenge von Bands auf dem
Markt. Bands wie Rage, Running Wild, Accept oder Grave Digger hatten
immer den Vorteil der charakteristischen Vocals.
Scottische Unabhängigkeitsgeschichte, Britische King Athur Saga, Mittelalterliche Kreuzzügen: Heldentum und Kriege sind die gemeinsame Elemente, die aus diese drei Theme schließen kann. Was genau macht diese drei Scheiben zu einer Trilogie?
Alle
drei Alben sind geschichtlich mit einander verbunden. Die Schotten
wurden im Krieg von den Templern unterstützt, diese beteten den
heiligen Grahl an, den wiederum König Arthus von seinen Rittern
der Tafelrunde suchen ließ.
Was für ein Hintergedanke steckt hinter diesen Konzeptalben für Dich? Geht es in erster Linie hauptsächlich darum, Musik zu eine bestimmte Thematik zu machen oder steht das zu behandelnde Thema mehr im Vordergrund?
Eine
Mischung aus beidem. Ich finde es einfach spannender, Musik zu einem
Konzept zu komponieren, als nur über die üblichen,
alltäglichen Probleme zu singen. Es macht das Ganze für die
Musiker beim komponieren aber auch für die Fans beim konsumieren
viel interessanter.
Schon mal überlegt, ein Album zu einer selbst erfundene Geschichte zu machen anstatt auf vorhandene Sagen und geschichtliche Überlieferungen zurück zu greifen? Was reitzt Dich besonders daran, solche Sagen musikalisch aufzuarbeiten?
Auf
"The Grave Digger" sind einige selbstverfasste
Horrorkurzgeschichten verarbeitet. Es passt einfach genial, wenn man
geschichtliche Dinge mit den Helden, die die meisten kennen, in
ein Heavy Metal Album umsetzt.
Du wolltest mal einen Solo Album zum Thema Troja machen, aber jetzt bist Soloprojekten ziemlich abgeneigt. Also können wir zumindest irgendwann einen GRAVE DIGGER Konzept Ablum zur Troja-Saga erwarten?
Das
ist nicht geplant. Es war wirklich mal eine Idee für ein
Soloprojekt aber nicht für Grave Digger.
Seit „The Grave Digger“ gibt es eine musikalische sowie thematische Veränderung, hat Manni Schmidt’s (Ex-RAGE) Beitritt unmittelbar dazu beigetragen? Wie kam es dazu, daß Ihr Euch von Uwe Lullis trennen müßtet?
Uwe
hat einfach von der Kreativität nicht mehr zur Band gepasst,
außerdem sind einige persönliche Dinge vorgefallen, die
eine Trennung nötig machten.
Manni hatte 6 Jahre keine
richtige Band mehr und sprudelte nur so vor Ideen. Er bekam auf "The
Grave Digger" genug Freiheiten, sein Gitarrenspiel und seine
Ideen mit einfließen zu lassen.
Was hab ich da gehört, Uwe wollte seine neue Band GRAVE DIGGER? So wurde eine freundliche Trennung zum eckligen Streit. Mußte man da gerichtlich wegen den Benutzungsrecht vorgehen? Was war der Grund für seinen plötzlichen Wandel nach dem Austritt?
Uwe
hat ernsthaft behauptet, er sei Grave Digger und versuchte, den
Bandnamen für sich zu beanspruchen. Welch ein
Schwachsinn.
Dieses Verhalten sagt alles über Uwes´
Charakter aus und zeigte mir, das es genau richtig war, mich von Ihm
zu trennen.
Eine andere paralelle Veränderung ist der Labelwechsel. Nase vom GUN Records? Seid Ihr jetzt bei Nuclear Blast besser aufgehoben?
Wir
werden sehen, ob es weitere Konzeptalben zu diesem Thema geben wird.
"Der Ring der Nibelungen" ist die bekannteste deutsche
Sage. Nein, wir haben noch niemals deutsch gesungen oder getextet.
Mit dem neuen Album soll wieder eine neue Trilogie-Reihe aufgezogen werden, stimmt das? Hatte es wieder mit Kriege/Heldentum/Mittelalter zu tun? Aus dem Name „Rheingold“ schließe ich, daß Ihr Euch thematisch auf das alte Germanentum oder altdeutsche Sagen besinnt, kann das sein? Apropos, hattet Ihr je deutsche Songtexte gehabt?
Auf
"Rheingold" ist der Sänger der Band "In
Extremeo", <das letzte Einhorn> zu hören. Im Moment
ist noch kein Video geplant.
Es soll einen geheimen Gastmusiker im nächsten Album zu hören sein, könnt Ihr uns eine Andeutung geben, wer es wohl sein mag? Wird es zum neuen Album auch so ein Video wie „Rebellion“ geben?
Sie
vereint traditionelle Seiten von Grave Digger (Heavy Metal Breakdown,
Whichhunter) mit modernem Sound (Knights of the Cross, The Grave
Digger).
Du siehst selber in „The Grave Digger“ eine Art neuer Anfang, wird die neue CD die musikalischen Richtung des Vorgängers weiter führen?
Ich wünsche mir, das "Rheingold" auch alle chinesischen Metalfans begeistert und somit auch ein Stück deutsche Geschichte vermittelt wird. Rock hard, Chris.
Unkel Reapers letzte Wort an die chinesischen Metal Fans?
Beste Grüsse
Chris
