DORO
for Painkiller Mag #8
June 2003

 

Interview with Doro

by Yang Yu/Andreas Stappert

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Vermisst Du manchmal die alten WARLOCK-Zeiten? Was aus dieser Periode hat dich am meisten geprägt? An was erinnerst du dich besonders gern zur&üuml;ck?

Ich erinnere mich sehr gerne an die allerersten Tourneen zur&üuml;ck, die wir mit Warlock gemacht haben. Wir waren damals eine von vielen Bands aus D&üuml;sseldorf, haben einfach nur unsere Musik gemacht und hätten niemals gedacht, dass Warlock irgendwann mal Konzerte im Ausland spielen w&üuml;rden. Irgendwann kam dann mal ein Anruf, ob wir nicht Lust hätten, eine Tour durch Europa zu machen. Klar hatten wir Lust! Als wir dann fragten, mit welcher Band wir zusammen unterwegs sein w&üuml;rden, sind wir beinahe vom Glauben abgefallen. Es waren Judas Priest! Also sind wir mit Priest zusammen auf Tour gegangen und sind in riesigen Hallen aufgetreten in die bis zu 25.000 Leute reingingen. Das war der totale Wahnsinn, zumal die Musiker von Judas Priest uns auch supernett behandelt haben.  Es war auch eine großartige Erfahrung, als wir damals unsere erste Platte "Burning The Witches" aufgenommen haben. Es gab da noch keinerlei Druck von außen. Hinterher hat sich das dann leider geändert und alle möglichen Plattenfirmenleute wollten uns vorschreiben, was wir tun sollten und was nicht. Aber die Anfangstage und die Tour mit Judas Priest waren einfach genial.

"Fight" scheint mehr eine Art Tribute-Album zu sein, zu all dem, was Dich bewegt oder interessiert. Ein Song f&üuml;r Lemmy, ein Song f&üuml;r Frauenkampfsport, ein Song f&üuml;r die spanische Fans, ein Song von Gene Simmons, einer zusammen mit Russ Ballard usw.

Na ja, das ist aber eigentlich bei fast jeder meiner Platten so. Es geht immer um Dinge die mich bewegen, mich begeistern oder in irgendeiner Art ber&üuml;hren. Außerdem ist es nat&üuml;rlich immer sehr schön, wenn man mit Leuten zusammenarbeiten kann, die man selber verehrt wie etwa Gene Simmons. Gene Simmons hat ja 1990 auch schon mein Album "Doro" produziert. Und da ich ein riesiger Kiss-Fan bin, war und ist es nat&üuml;rlich eine riesengroße Ehre f&üuml;r mich, mit diesem Mann zusammenzuarbeiten und Songs zu singen, die er geschrieben hat. Mit Lemmy von Motörhead hatte ich ja fr&üuml;her schon mal ein Duett gesungen, und wir beide verstehen uns einfach sehr gut. Deswegen wollte ich ihm unbedingt einen meiner Songs widmen. Eigentlich hätte das schon auf der letzten Platte passieren sollen, hat damals aus Zeitgr&üuml;nden aber nicht geklappt. Deswegen habe ich das diesmal nachgeholt.

Das Vorgängeralbum ist ziemlich soft und Balladen-mäßig aufgefallen, aber auf "Fight" hast du einen Zahn zu gelegt. Was sind die Beweggr&üuml;nden f&üuml;r dieser Veränderung?

Na ja, es kommt auch immer sehr darauf an, in welcher Reihenfolge die einzelnen Songs auf einer Platte stehen. Je nachdem ob man mehr härtere oder langsamere Nummern an den Anfang stellt, ändert sich der Eindruck, den man von einer Platte bekommt. Ich selbst fand die letzte Scheibe eigentlich gar nicht mal so soft. Es waren zwar einige Balladen darauf, aber eben auch viele härtere St&üuml;cke. Mir ist es sowieso egal ob Ballade oder Heavysong. Es geht nur darum, ob mir ein Song etwas bedeutet oder nicht. Dass "Fight" ein bisschen rauer klingt, war aber durchaus beabsichtigt. Wir haben diesmal ohne Computer gearbeitet und von vielen Songs sogar die Rough-Mixes auf die Platte genommen, weil mir die fertigen Mixe einfach zu sehr glattpoliert klangen.

Einer der besten Songs der neuen Scheibe ist - neben dem geilen Duett mit Pete Steele - sicher "Always Live To Win". Ist der Titel gleichzeitig auch dein Lebensmotto? Willst du immer alles, immer gewinnen? Gehst du grundsätzlich immer mit einer positiven Einstellung durchs Leben?

Ja klar. Als ich 23 oder 24 Jahre alt war, habe ich mich irgendwann ganz bewusst entschieden, immer mit einer positiven Einstellung durchs Leben zu gehen. Von daher entspricht der Song meinem Lebensmotto und klingt sehr motivierend. "Always Live To Win" war auch einer von zwei Songs, die ich der Boxerin Regina Halmich geschickt hatte. Sie wollte gerne einen meiner Songs als Einmarschhymne f&üuml;r ihre Kämpfe. Zunächst fand sie auch "Always Live To Win" am besten, hat sich dann aber doch f&üuml;r den Song "Fight" entschieden.

Hörst du privat eigentlich noch gerne viele Metal Sachen? Welche Bands/Platten konnten dich zuletzt richtig beeindrucken?

So viel Freizeit zum Musikhören habe ich gar nicht. Aber wann immer es geht, zum Beispiel im Tourbus, höre ich mir gerne Metal-Platten an. Am liebsten ehrlich gesagt nach wie vor die alten Klassiker. Dio, WASP, Kiss, Gary Moore und solche Sachen.

Du wirst immer als DIE Metalfrau Deutschlands angesehen, aber ist Doro 2002 noch Metal?

Metal heißt f&üuml;r mich in erster Linie Freiheit. Die Möglichkeit sich frei zu entfalten und das zu tun, was man wirklich will. Diese Einstellung trage ich nach wie vor im Herzen und von daher werde ich wohl immer eine Metallerin sein. Ich persönlich mache Metal nicht daran fest, ob ein Song nun schnelle Doublebass-Passagen hat oder nicht. Metal muss aus tiefstem Herzen kommen. Das ist das was wirklich zählt. Egal ob nun bei einer Ballade wie "Undying" oder einem harten Song wie "Fight". Ob man das nun aber Metal, Hardrock oder einfach nur Rock nennt, ist mir echt egal. Dieses Schubladendenken, bei dem alles exakt eingeordnet wird, mochte ich noch nie. Ich bin nämlich ein sehr tolerantes Kerlchen. Ha ha. Na ja, außer vielleicht bei Jazz-Musik. Aber man kann ja auch nicht alles mögen.

Man sieht es dir zwar zu keiner Sekunde an, aber du bist jetzt schon eine halbe Ewigkeit in Sachen Metal unterwegs und hast bestimmt Hunderte lustige, spannende oder auch traurige Begebenheiten hinter dir. Wäre es da nicht mal an der Zeit f&üuml;r eine Autobiographie?

Stimmt, da gibt es sehr viele nette und weniger nette Geschichten. Und um die alle unterzubringen, m&üuml;sste man eigentlich sogar gleich zwei B&üuml;cher schreiben. Eines mit schönen, richtig positiven Stories. Und eines in dem die nackte Wahrheit erzählt wird und man lesen kann, wie das Musikbusiness wirklich ist. Da w&üuml;rde dann zum Beispiel auch ein Kapitel &üuml;ber unseren alten Manager aus Warlock-Zeiten drinstehen. Wir waren damals gerade auf dem Höhepunkt unseres Erfolges und kamen auch wirklich gut mit unserem Manager klar. Er war ein echter Kumpel. Bis zu dem Tag, an dem er uns unseren Bandnamen geklaut hat! Wir gingen damals sogar vor Gericht, durften den Namen Warlock aber nicht mehr weiter benutzen, da er ihn sich ohne unser Wissen rechtlich sch&üuml;tzen lassen hatte.

80 Shows am St&üuml;ck, wie haltet Ihr diesen Dauerstress aus? Bleibt da &üuml;berhaupt noch Zeit f&üuml;r ein Privatleben und Freunde?

Nein, nicht wirklich. Innerhalb der Band verstehen wir uns aber prima. Die meisten der Musiker sind jetzt auch schon fast zehn Jahre lang mit mir unterwegs, weswegen wir genau wissen, wie wir miteinander umgehen m&üuml;ssen, ohne dass wir uns gegenseitig auf die Nerven gehen. Nur so hält man den ganzen Stress aus. F&üuml;r echte Beziehungen außerhalb der Band bleibt mir aber keine Zeit. Das geht sowieso meistens schnell in die Br&üuml;che, eben weil ich ständig unterwegs bin. Aber das ist schon okay so. Schließlich habe ich mich f&üuml;r diese Art Leben entschieden. Außerdem kriege ich ja auch mit, welchen Stress manche meiner Bekannten mit ihren Partnern oder Kindern haben. Das bleibt mir dann alles erspart.

Du bist auch eine Art Vorkämpferin f&üuml;r Frauen im Metal. Als du mit Warlock angefangen hast, gab es noch nicht so viele bekannte Metal-Sängerinnen und -Musikerinnen. Neben dir hauptsächlich Lee Aaron und Lita Ford - und oft stand bei den Medien mehr die Optik als die Musik im Vordergrund. Denkst du, da hat sich im Gegensatz zu fr&üuml;her viel zum Positiven verändert. Heute gibt es in dem Bereich ja doch viel mehr Frauen. Denkst du, dass du auch deinen Anteil daran geleistet hast, indem du z.B. Vorbild f&üuml;r viele junge Frauen warst?

Du bist selber ein Fan vom Thai-Boxen und bist auch recht engagiert in Sachen Frauenkampfsport, erlernst Du selber auch Kampfsportarten?

So etwa 19996 war ich in dieser Beziehung noch voll auf dem Trip und habe sehr viel trainiert. Das hat mir auch riesig viel Spaß gemacht. In den letzten Jahren ist es aber eher weniger geworden. Wenn ich aber mal Zeit habe, dann praktiziere ich auch heute noch Thai-Boxen. Eine tolle Sportart, bei der man sich körperlich voll verausgaben und richtig austoben kann. Außerdem hält es fit und man f&üuml;hlt sich sicherer, weil man in der Lage ist, sich im Notfall selbst zu verteidigen.

Was hältst Du vom chinesischen Kampfsport und der ganze Kultur, Lehre, Philosophie, die dahinter stecken?

Ich finde das unglaublich interessant, habe aber leider nicht so wahnsinnig viel Ahnung davon. Wenn man in Europa oder den USA trainiert, steht doch mehr die Technik und das Sportliche im Vordergrund. Nicht so sehr die Philosophie. Vor einiger Zeit habe ich in Frankreich eine Dokumentation zu diesem Thema im Fernsehen gesehen, die mich wirklich fasziniert hat.

Hast Du je erwartet, dass Du ein Interviewanfrage aus China bekommen w&üuml;rdest?

Ehrlich gesagt nicht. Dies ist das aller erste Interview, das ich f&üuml;r ein chinesisches Magazin mache

Hast du eine Botschaft an deine chinesischen Fans?

Ich w&üuml;rde mich wahnsinnig freuen, wenn ich irgendwann mal in China live auftreten könnte um so richtig tierisch mit euch allen abzurocken. Auf jeden Fall finde ich es toll, dass der Metal jetzt auch in China größer und bekannter wird. Was den asiatischen Raum angeht gibt es da auch noch eine lustige Geschichte. In Japan war der traditionelle Metal in den Achtzigern ja richtig populär, und sehr viel Bands aus Deutschland sind damals in Japan aufgetreten. Warlock waren leider die einzigen, die nicht in Japan spielen durften. Und das nur, weil ich weiblichen Geschlechts bin. Heute ist das nat&üuml;rlich anders, aber damals war dort noch alles sehr konservativ und die japanischen Veranstalter wollten einfach keine Metalband mit einer Sängerin.

 

DISCOGRAPHY

WARLOCK

Burning The Witches - Album                   LP/MC              1984                Mausoleum
(Rereleased LP/MC/CD 1987 Phonogram)
Hellbound - Album                                      LP/MC/CD        1985                Phonogram
True As Steel - Album                                 LP/MC/CD        1986                Phonogram
Triumph and Agony - Album                       LP/MC/CD        1987                Phonogram
Earthshaker Rock - Album                         CD                   1998               

WARLOCK/DORO

Force Majeure - Album                              LP/MC/CD        1989                Phonogram
Rare Diamonds - Best of                            LP/MC/CD        1991                Phonogram  

DORO

Doro - Album                                             LP/MC/CD        1990                Phonogram

True at Heart - Album                                 LP/MC/CD        1991                Phonogram

Angels Never Die - Album                          LP/MC/CD        1993                Phonogram

Doro - Live - Album                                    LP/MC/CD        1993                Phonogram

Machine II Machine - Album                       LP/MC/CD        1995                Mercury

M II M, Electric Club Mixes - Single            CD                   1995                Mercury

A Whiter Shade Of Pale - Best of               CD                   1995                .

Love me in Black - MiniAlbum                      MC/CD             1998                WEA

The Ballads (Best Of)                  CD                   1998                Mercury

Best Of                                        CD                   1998                Mercury

Calling The Wild - Album                            LP/CD              2000                SPV

Fight - Album                                             CD                   2002                SPV